Arten von Benutzerschnittstellen
Welche Arten von Benutzerschnittstellen gibt es?
Die Klassiker: CLI und GUI
Die Interaktion zwischen Mensch und Computer hat sich über Jahrzehnte entwickelt. Dabei stehen sich zwei grundlegende Paradigmen gegenüber:
- Command Line Interface (CLI): Dies ist die älteste Form der Interaktion, die heute noch relevant ist. Die Steuerung erfolgt rein textbasiert. Du gibst präzise Befehle über die Tastatur ein (z. B. in einer Linux-Shell oder der Windows PowerShell), und das System antwortet mit Textausgaben. Es gibt keine Fenster, Buttons oder Mauszeiger. Das Prinzip ähnelt einem Chat mit dem Computer: Du stellst eine Anfrage, der Computer führt sie aus.
- Vorteile: Das CLI ist extrem ressourcenschonend und läuft auch auf minimaler Hardware stabil. Für Expert:innen liegt die Stärke in der Automatisierung: Tausende Dateien lassen sich mit einem einzigen Befehl oder Skript in Sekunden bearbeiten.
- Herausforderung: Die Lernkurve ist steil. Du musst Vokabular (Befehle) und Grammatik (Syntax) beherrschen ("Recall"-Prinzip), da der Bildschirm oft leer bleibt, bis du aktiv wirst.
- Graphical User Interface (GUI): Das heute dominierende Konzept auf Desktop-Computern und Laptops. Die Interaktion erfolgt visuell über das WIMP-Paradigma (Windows, Icons, Menus, Pointer). Anstatt Befehle auswendig zu lernen, klickst du mit der Maus auf Symbole, die Aktionen repräsentieren (z. B. ein Diskettensymbol zum Speichern). Dies macht abstrakte Computerbefehle greifbar und visuell verständlich.
- Vorteile: Die Lernkurve ist flach, da Funktionen durch Symbole sichtbar sind und wiedererkannt werden ("Recognition"-Prinzip). Das macht die Bedienung intuitiv ("What You See Is What You Get").
- Herausforderung: GUIs benötigen viel Rechenleistung und Arbeitsspeicher für die grafische Darstellung. Zudem sind wiederkehrende Aufgaben oft mühsam, da sie viele einzelne Klicks erfordern.
Die Natürlichen: NUI und VUI
Mit dem Aufkommen mobiler Geräte und intelligenter Assistenten entstanden Schnittstellen, die die Barriere zwischen Mensch und Maschine weiter abbauen sollen:
- Natural User Interface (NUI): Das Ziel von NUIs ist es, die Technologie "unsichtbar" zu machen. Die Bedienung erfolgt so, wie wir auch mit der physischen Welt interagieren: durch Berührung (Touch), Gesten oder Blicke. Ein typisches Beispiel sind Selbstbedienungsterminals oder dein Smartphone: Du drückst nicht auf eine Taste auf dem Tisch, um ein Element auf dem Bildschirm zu bewegen (wie bei der Maus), sondern berührst das Element direkt. Das "Wischen" durch Fotos fühlt sich an wie das Blättern in einem physischen Fotoalbum.
- Voice User Interface (VUI): Hier wird die natürlichste Form der menschlichen Kommunikation genutzt: die Sprache. Systeme wie Sprachsteuerungen in modernen Fahrzeugen (z. B. "Hey BMW") oder Smart Speaker analysieren gesprochene Befehle. VUIs ermöglichen eine "hands-free" Bedienung, was besonders nützlich ist, wenn Hände oder Augen für andere Tätigkeiten benötigt werden.
Welches Interface passt zu welchem Zweck?
Der Nutzungskontext entscheidet
Die Wahl der Schnittstelle hängt stark davon ab, wo das System genutzt wird und welche Aufgaben erledigt werden müssen:
- Serverwartung & Administration (CLI): Im Rechenzentrum ist das CLI der Standard. Administrator:innen benötigen die Effizienz und die Möglichkeit, Systeme über Netzwerke hinweg fernzuwarten (z. B. via SSH), ohne grafische Daten übertragen zu müssen.
- Kreativ- & Büroarbeit (GUI): Für Aufgaben wie Bildbearbeitung, Videoschnitt oder das Layouten von Dokumenten ist die GUI unverzichtbar. Visuelles Feedback und die präzise Platzierung von Elementen sind hier wichtiger als reine Befehlsgeschwindigkeit.
- Öffentlicher Raum & Mobile Nutzung (NUI): An Infoterminals oder auf mobilen Geräten sind NUIs ideal. Die direkte Manipulation per Touch ist intuitiv für jede:n verständlich und erfordert keine empfindlichen Peripheriegeräte wie Maus oder Tastatur.
- Situationen mit belegten Händen (VUI): Beim Autofahren, Kochen oder in der industriellen Fertigung, wo Hände für Werkzeuge gebraucht werden, ist die Sprachsteuerung die sicherste Wahl.
Die Zielgruppe im Fokus
Neben dem Kontext sind die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Nutzenden entscheidend für die Wahl des Interfaces:
- Endanwendende: Erwarten meist GUIs oder NUIs, da sie Aufgaben ohne technisches Hintergrundwissen erledigen wollen. Die Fehlertoleranz ist hier höher, etwa durch "Rückgängig"-Funktionen oder Bestätigungsdialoge, die vor Fehlern schützen.
- Expert:innen: Bevorzugen oft CLIs für die volle Kontrolle, Geschwindigkeit und die Möglichkeit, komplexe Abläufe zu skripten.
- Barrierefreiheit: Die Wahl des Interfaces entscheidet über Teilhabe. Für Menschen mit Sehbehinderungen sind VUIs (Screenreader) oft essenziell, da sie visuelle Barrieren umgehen. Menschen mit motorischen Einschränkungen profitieren oft von Sprachsteuerung oder großflächigen NUIs, während GUIs mit kleinen Klickflächen Hürden darstellen können.
Lernziele
- das Konzept von Natural User Interfaces (NUI) erklären, indem die intuitive Interaktion durch Touch, Gesten oder Blicksteuerung beschrieben wird, die darauf abzielt, die Technologie für die Nutzenden 'unsichtbar' zu machen.
- die verschiedenen Typen von Benutzerschnittstellen (CLI, GUI, NUI, VUI) differenzieren, indem ihre Interaktionsparadigmen (textbasiert, grafisch, natürlich/gestengesteuert, sprachbasiert) und die Art der Eingabe (Tastatur, Maus, Touch, Stimme) gegenübergestellt werden.
- Command Line Interfaces (CLI) und Graphical User Interfaces (GUI) vergleichen, indem Aspekte wie Lernkurve, Effizienz bei wiederkehrenden Aufgaben, Automatisierbarkeit und Ressourcenverbrauch analysiert werden, um deren Eignung für verschiedene Nutzendengruppen (z.B. Administration vs. Endanwendende) zu bewerten.
- geeignete Benutzerschnittstellentypen für spezifische Anwendungsfälle zuzuordnen, indem die Anforderungen der Zielgruppe (z.B. Barrierefreiheit, technisches Verständnis) und der Nutzungskontext (z.B. mobile Nutzung, industrielle Steuerung, Serverwartung) als Entscheidungskriterien herangezogen werden.
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